Waldzustandsbericht – allgemeine Überlegungen zu Ökonomie und Ökologie

Im Zuge der Corona-Pandemie ist der Wald zu einer großen Freizeitanlage geworden.

Zugleich hat der Wald sehr unter den Folgen des sich wandelnden Klimas gelitten,

wegen Waldarbeiten gesperrter Weg

Waldzustandsbericht – Bilder aus Biebertal

Noch nie war – seit der Erhebung 1984 – der Anteil an gesunden Baumkronen in Deutschland so gering wie 2019. So vermeldet es der aktuelle (2019) Waldzustandsbericht Hessen.

Im gesamten Bundesgebiet sind ca. 180.000 Hektar Wald abgestorben.

Wildfraß, ein Problem für Jungbäume

Die Trockenperioden der letzten 5 Jahre haben deutlich zugenommen, so dass der Klimawandel nun auch bei uns spürbar und sichtbar ist. Verschiedene Baumarten sind den sich verändernden Bedingungen nicht gewachsen. Hitze, Trockenheit und Schädlinge, aber auch Waldarbeiter mit großen Erntemaschinen und die Sünden der Vergangenheit, in der oft Monokulturen und nicht in die Landschaft passende Arten gepflanzt wurden, setzen dem Wald zu.
Zudem wurden in den letzten Jahren viele der dickeren Stämme zu Geld gemacht. Ja, auch den Wald kann man ernten. Im Sinne der Forstwirtschaft, schaffe das Schlagen von Nutzholz Raum für die jungen Bäume; doch zugleich, wie in der menschlichen Kinderstube, fehlt ihnen ohne die Alten oft die Führung, sich gut als Lebensgemeinschaft zu organisieren.

Ohne Wiederaufforstung setzen wir uns, ohne es akut zu merken, einer zunehmenden Versteppung unserer Waldgebiete aus. Hoimar von Ditfurth wies schon vor langem darauf hin: Vor dem Menschen stirbt der Wald (Die Links führen zu 2 Youtube-Videos).

Der Borkenkäfer und verschiedene Pilze tun gerade ihr übriges und setzen den Bäumen zu. Viele Flächen mussten und müssen noch radikal gerodet werden.
Dadurch ist so viel Holz angefallen, dass eine Vermarktung schwierig geworden ist und damit auch Geld für die Wiederaufforstung in den Kassen fehlt. Zudem musste Hessen Forst die zentrale Vermarktung der Stämme abgeben, so dass die Gemeinden nun selbst für den Verkauf ihres Holzes sorgen müssen.

Erhalt und Schutz unserer Wälder hat eine herausragende Bedeutung für den Klimaschutz, für die Biodiversität, als CO2-Speicher, als Wasser-Speicher usw., wie auch für die Gesundheit der Bevölkerung. Insofern wäre es eine schöne Aufgabe der Jugend, sich an Baumpflanz-Aktionen zu engagieren, z.B. als Schulprojekt, um Kinder und Jugendliche für das Thema Wald zu sensibilisieren.

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Waldläufer müssen jedoch acht geben und den Blick immer wieder nach oben richten. Denn auch ohne Vorwarnung oder Wind / Sturm kann man von herabbrechenden Ästen getroffen zu werden – wie dieser Sommer gezeigt hat (Bilder unten).

Grünholz-Astbruch; physikalische Folge der Trockenheit,

Alle Lebewesen sind miteinander verbunden – auch in der Ökologie des Waldes

Alles steht in Wechselwirkung mit seiner Umgebung.
Tiere und auch alle Pflanzen sind fühlende, kooperativ handelnde, vielleicht sogar intelligente Lebewesen.
Zum Beispiel konnte bei Bienen inzwischen Bewusstsein nachgewiesen werden. Sogar Fruchtfliegen träumen und strampeln dabei mit den Beinen, wie unser Haushund. Rabenvögel sind sehr intelligent und haben, wie Menschenaffen gar ein Ich-Bewusstsein. Selbst Bäume empfinden, kommunizieren, betreiben Brutpflege, helfen alten und kranken Artgenossen. Die Kommunikationswege, zum Beispiel über Duftstoffe oder mit Hilfe von Pilzmyzelen im Untergrund, leiten die Informationen zwar viel langsamer, als das tierische Nervensystem, aber nicht weniger effektiv.
Diese Langsamkeit und auch Langlebigkeit ist für Menschen schwer einsehbar. Doch mit Hilfe von Zeitraffer-Kameras konnte man inzwischen vieles sichtbar machen.

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Da natürliche Regulation in unseren Kulturwäldern und -landschaften nicht mehr funktioniert, muss der Mensch eingreifen, muss jagen und hegen, um Gleichgewichte zu organisieren.
Wir müssen also nicht ständig mit einem schlechten Gewissen herumlaufen, weil Menschen andere Lebewesen konsumieren. Gewissensbisse sollten sich allerdings einstellen, wenn wir mit den Mit-Lebewesen vor dem Konsum schlecht umgehen. 
Wir müssen aber auch geplant pflanzen und den Wald der Zukunft schon heute anlegen, um weiteren Schäden vorzubeugen.

Aus ökonomischen, sozialen, politischen Fehleinschätzungen fallen Entscheidungen oft wenig kooperativ, wenig im Miteinanders aus, so dass sich Menschen oft gegenseitig schädigen … und sie übertragen diese Missverständnisse (z.B. „geht hin und macht Euch die Welt untertan“) auch immer wieder in andere Bereiche.
Insbesondere das kapitalistische Wirtschaftsmodell der Geldvermehrung – abgeschirmt hinter dem Nimbus der hochkomplexen Unverständlichkeit – reduziert sich bei genauem Hinschauen auf das Modell eines Kettenbriefes: Zinsen und Mehrwert werden aus den Natur und in Anleihen auf die Zukunft genommen.
Dieses Konstrukt strebt auf eine Katastrophe zu, solange das ökonomische das ökologische Denken dominiert.
In einer Welt mit endlichen Ressourcen kann die Ideologie vom Kolonialismus und nun von „Wachstum“ langfristig nicht erfolgreich sein – weil das, was als „Wachstum“ verkauft wird, in Wirklichkeit nur die Umverteilung (meist von vielen an wenige) oder ein Wandel der Form sein kann.
Hier sei nochmals an die, an den Weißen Mann gerichteten, Reden der großen Indianerhäuptlinge erinnert, die den amerikanischen Kongress im 19. Jahrhundert daran erinnerten, dass man Geld nicht essen kann.

Quelle: Gießener Allgemeine, 22.01.2020 und 09.04.2020 und 17.10.2020
Text und Fotos aus dem heimischen Wald: Lindemann

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