Umweltbildung im Wald

Kaisermantel auf Distelblüten im Wald

Umweltbildung im Wald und im HTM (Holz- und Technikmuseum, Wettenberg-Wißmar)
sowie Gedanken zur Arbeit im Wald – nicht nur für Kinder – von Försterin Rita Kotschenreuther

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Kinder während der Walderfahrung
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Baumkinder
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Rita Kotschenreuther

Wie kann man (jungen) Menschen erklären, dass für alles, was sie nutzen, essen, was sie wärmt und worin sie leben Natur ge- und verbraucht wird?
Im Falle der Waldpädagogik steht hierbei natürlich der Wald mit all seinen Funktionen im Fokus der Betrachtung. Neben dem Erholungsraum für uns alle ist er aber auch noch großer Wasserfilter und –speicher, viele Arten leben hier, er hält Boden fest und beeinflusst das lokale wie auch das Weltklima. Daneben ist er eben auch Rohstoffquelle und Arbeitsplatz, hat in der Vergangenheit vielen Waldbesitzern – auch den Kommunen – gute Einnahmen gebracht, von denen das Gemeinwesen und die Waldneubegründung und –pflege sowie Waldwegebau mitfinanziert wurde.
Waldpädagogik möchte Allen den Wert, die Schönheit und die Vielfalt des Waldes mit allen Sinnen, mit Hand, Herz und Verstand nahe bringen. Ziel ist, den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu erlernen. Die waldpädagogischen Veranstaltungen werden im Sinne der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) gestaltet.

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Waldarbeit – Demonstration
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Erklärungen

Als Einstieg ist für mich wesentlich, die BesucherInnen dort abzuholen, wo sie sind.
Dies gelingt mir am besten,
indem alle zunächst einmal ihre Augen schließen und eine Gedankenreise unternehmen:
Während sie „schlafen“ „verschwinden“ alle Dinge um sie herum, die aus Holz entstanden sind.
Beim „Aufwachen“ wird dann erzählt, was alles plötzlich nicht mehr da ist – ja, es ist sehr erstaunlich, wenn man sich das einmal vergegenwärtigt.
Angefangen vom Bett, Fußboden, Tisch, Regal, Treppe, Decken, Dachstuhl bis zu den Musikinstrumenten, Eisstielen, Toilettenpapier, Türen, Küchenrolle, Tapeten, Zeitungen, Büchern, Heften, Postkarten, Kalendern, Papiertaschentüchern, Windeln, Särge, Brennholz, Gartenzaun und Carport ….. Fast unbekannt sind Dinge, denen man den ursprünglichen Holzstoff nicht mehr ansieht, wie Vanillin, Kleidung aus Viskose oder Modal sowie Zellglastüten für Plätzchen.
Viele erkennen das Holz auch dann nicht mehr, wenn es verborgen seinen Dienst tut: als Spanplatte unter einer Deckschicht aus Plastik im Küchenmöbel verbaut sowie die Grundgerüste vieler Polstermöbel.

als Papier
auf Baustellen
zum Hausbau
im Dachstuhl
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Holznutzung
für Möbel
als Paletten in der Logistik
als Brennholz

Und woher kommt dieses Holz?
Wer kümmert sich um dessen Bereitstellung?
Wie kann gesichert werden, dass auch künftigen Generationen der Wald mit allen Funktionen zur Verfügung steht?

Und so kommen wir auch zur Vergangenheit des Waldes.
Menschen benötigten Holz und Wald schon immer und sogar viel intensiver als wir heute in Mitteleuropa.
Man baute damit Häuser (heute: Stein und Beton), man heizte damit (heute: Erdöl, Gas, Kohle), es wurde für die Eisenverhüttung in unglaublicher Menge benötigt (heute Kohle), ebenso zur Glasherstellung und für die Salzherstellung, zum Gerben (heute: Chemie) und Schmieden, für Schiffsbau (heute: Eisen) und Ackergeräte (heute: Eisen), Stollenabstützung und Brücken (heute: Eisen). Waldlaubstreu wurde herausgetragen und in die Ställe gestreut (was dann mit Kot später als Dünger auf die Äcker gebracht wurde – heute: Chemie), Vieh wurde in den Wald getrieben, um dort zu fressen.  Und es fraß: Samen, junge Bäumchen, Rinde. So sah der Wald dann aus. Große Blößen und weite waldfreie Areale entstanden. Dort, wo noch „Wald“ stand, waren es beispielsweise nach Beschreibung aus Gießen „Einzelne, durchgehend faule Eichen“. Nebenbei wurden für kriegerische Auseinandersetzungen (siehe z.B. Schanzen aus dem 7-jährigen Krieg) zur besseren Sicht weite Waldbereiche gerodet. Übrigens: man bedenke alle Ortsnamen, die mit Baumrodung zu tun haben – siehe z.B. Rodheim, Dannenrod, Appenrod, Oppenrod, Rodenbach, Rodgau, ….

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Gefache werden mit Lehm befüllt, Ried oder Reiser geben Halt und Stroh wirkt als hervorragendes Dämmmaterial
hier wird Lehm für den Fachwerkbau gestampft
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Fachwerkhäuser


Die Bilder links entstanden im Rahmen der Ferienspiele am Holz- und Technik-Museum.

So wie der Wald heute aussieht sah er in den vergangenen Jahrhunderten definitiv nicht aus!

Buchenwald und geschlagenes Holz,
das auf den Abtransport ins Sägewerk wartet
Herbstbild Mischwald
natürliche Verjüngung des Waldbestandes

Wald verdient heute – im Gegensatz zu früher – seinen Namen.
Wir haben also aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Dies versuche ich meinen kleinen und größeren Waldbesucher/Innen klar zu machen.

Aber wie kam es zu einer Veränderung hin zu dem Waldbild von heute?
Da die Menschen so sehr auf Holz angewiesen waren, es aber gleichzeitig eine massive Holznot gab, wurden sich von einzelnen Vordenkern weitreichende Gedanken gemacht.
So schrieb vor über 300 Jahren ein sächsischer Berghauptmann Carl von Carlowitz, der gleichzeitig auch für den Wald zuständig war, ein Buch, in dem erstmalig der Begriff der Nachhaltigkeit auftaucht. Rund 80 Jahre später war es ein Hesse: Georg Ludwig Hartig, der die ersten Gedanken weiter konkretisierte und praxistauglich machte.
Klar wurde – und das versuche ich mit den Kindern und Jugendlichen herauszuarbeiten:

es darf maximal so viel Holz genutzt werden wie gleichzeitig nachwächst, und dazu müssen junge Bäume nachwachsen.
Daher muss teils gepflanzt werden oder Bäumchen aus dem herabgefallenen Samen der Bäume müssen eine Chance haben, groß zu werden.

50 Pfennig-Münze – Pflanzfrau

Dafür ist eine Begrenzung des Wildes nötig, Jagd. Auch dieses Thema greife ich mit meinen BesucherInnen auf.
Wir laufen quer durch den Wald und suchen Hinweise auf Tiere, u.a. Verbissstellen.

Schälschaden durch Rotwild
Verbissstellen an Ästen
Verbiss am Leittrieb – das bedeutet dann Wuchsbehinderung

Waldbau ist eine Generationenverpflichtung – ein Generationenvertrag.
Wir nutzen Wald, den Menschen weit vor uns – für uns – angepflanzt haben, wir sorgen für einen Wald für künftige Generationen.
Um übrigens auf den Blößen möglichst schnell wieder verwertbares Holz für all die menschlichen Bedürfnisse stehen zu haben, wurde weit verbreitet in der Vergangenheit auf die schnell- und geradewüchsige Fichte gesetzt. Schnellwüchsig deswegen, weil die Nachfrage riesig und der vorherige Raubbau gigantisch war (auch: Reparationszahlungen nach dem 2. Weltkrieg in Form von großen Holzmengen) und geradewüchsig, weil man aus einem krummen Baumstamm keinen geraden Balken oder gerade Bretter sägen kann.

geradwüchsige Bäume
krummwüchsige Buchen
Ein Baumstamm wird im HTM in Bretter gesägt
krummes und geradwüchsiges Stammstück im Schnitt
Zwieselbuche

Um die Abläufe verständlich zu machen, habe ich Spiele und Aktionen entwickelt, die auf einfache Weise Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Photosynthese erklären und klarmachen sollen, wie ein Baum sein Holz herstellt und damit der Luft das CO2 entzieht, dessen Kohlenstoff damit auf immer bindet – bis zur Verrottung oder Verbrennung.
Auch wird mit einer anderen Aktion der Werdegang vom Samen über lange Zeiträume bis zum Bett oder zum wärmenden Feuer vermittelt. Denn die zeitliche Dimension ist der Knackpunkt: es wird von vielen heute zu kurzfristig gedacht. Der eigene Konsum und deren Folgen müssen unbedingt mehr mit bedacht werden.

Siehe dazu z.B. den NDR-Bericht oder im ZDF oder bei Waldwissen oder Bundesinformationszentrum.

Wir verbrauchen in einer Geschwindigkeit, die unser heimischer Wald nicht auffangen kann.
Daher importieren wir mittlerweile aus aller Herren Länder (abgesehen von dem Massenanfall an toten Fichten, der derzeit aus Kapazitätsgründen hier nicht mehr verarbeitet werden kann und somit exportiert wird).
Wie es weltweit waldbaulich zugeht, kann man überall googeln, …. oder beispielhaft in folgenden Links: Folgen der Waldzerstörung oder Rodung und Entwaldung 2012 weltweit sehen und in vielen weiteren Seiten, die im Internet aufgerufen werden können.

Diese Importware (hier ein Beispiel) kommt z.B. aus Brasilien

In Brasilien, anderen tropischen Regenwald-gebieten sowie borealen Wäldern wie in Sibirien oder Nordamerika wird dafür unersetzlicher Urwald abgeholzt.
Jedes Jahr gehen weltweit ca. 11 Millionen Hektar Wald verloren. Das ist so viel, wie der gesamte bundesdeutsche Wald!

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geradwüchsige Fichten, heute durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigt (Foto: A. Lindemann)

Ich versuche ein Verständnis zu erzeugen, dass wir nicht über unsere Verhältnisse leben dürfen.
Echte Nachhaltigkeit global ist das oberste Ziel!
Da haben wir Verantwortung für künftige Generationen – überall auf der Welt.
Holznutzung ist bei nachhaltiger Bewirtschaftung ein toller Rohstoff, vielseitig verwendbar, nachwachsend, energetisch mit geringem Aufwand generierbar, ohne Lacke oder Beschichtungen nach Gebrauch thermisch verwertbar oder verrottbar, elastisch, leicht, mit guter Dämmqualität, speichert den Kohlenstoff
des CO2 auf Dauer in seinen langlebigen Produkten, ersetzt andere Produkte, die nicht nachwachsen und mit weit größerem CO2-Ausstoß hergestellt werden, mit möglichst kurzen Transportwegen und bei all dem: der schönste Herstellungsort eines Rohstoffes! Welcher Rohstoff könnte da mithalten. Ersatzprodukte wie z.B. Beton, Glas, Stahl, Alu, Kohle, Erdöl haben in aller Regel weit schlechtere Werte.
Darum: Global denken – lokal handeln.

Diese Themenspektren werden auch im Holz- und Technikmuseum (für Kinder und Jugendliche das „Holzerlebnishaus“) abgedeckt, insbesondere bei Führungen. Führungen können zu allen Zeiten von Gruppen gebucht werden (in Normalzeiten jenseits Corona). Am besten verständlich wird der gesamte Zusammenhang, wenn eine Waldführung mit dem Besuch des Holz- und Technikmuseums kombiniert wird.
Wir bieten als Regionales Umweltbildungszentrum und als „Zertifizierter Außerschulischer Lernort der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auch Veranstaltungen für Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen sowie Ferienspiele und Kindergeburtstage an.

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Wie hier zu sehen, legt Rita Kotschenreuther immer viel Wert auf praktische Aktionen und Erfahrungen im Wald, wie im Holz- und Technikmuseum.

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Spiel und Spaß sollen immer mit dabei sein.

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Die Tier- und Pflanzenwelt mit ihren Zusammenhängen erkunden wir übrigens auch: vom Boden bis zu den Baumspitzen. Artenkenntnis kommt in allen Ausbildungen mittlerweile zu kurz. Auch dort möchte ich als Försterin mit meiner Arbeit in der Umweltbildung ansetzen.

Quelle und Fotos: Rita Kotschenreuther; Fotos Ferienspiele im HTM: HTM

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